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Historische Orgeln in Litauen

Die Orgelgeschichte in Litauen zählt über 600 Jahre, da die erste urkundliche Erwähnung vom 11. April 1408 stammt, als der Magister des deutschen Ordens Ulrich von Jungingen der Gattin des Litauischen Großfürsten V
ytautas, Ona, ein Clavichord und eine tragbare Orgel – Portativ – als Geschenk zukommen ließ: item 6 m. vor eyn Clavicordium und Portativum, das unsers Homeysters Herzoge Wytowten Frauwe santé.
In Litauen gibt es ca. 450 wertvolle authentische Orgeln. 250 darunter sind historische Instrumente des Barock, des Klassizismus oder der Romantik, gebaut in den 18., 19. und 20. Jahrhunderten, und stehen im Register der Kulturwerte. Bei wohl der ältesten erhaltenen Orgel in Litauen handelt es sich um das aus dem Ende des 17. Jh. stammenden Positiv: seine Einzelteile wurden 2001 während einer Expedition im Dachboden der Kirche des Dorfes Akmuo (Bezirk Varėna) gefunden: aufgesammelt und dokumentiert befindet sich das Positiv jetzt in der Ausstellung des Litauischen Museums für Theater, Musik und Film in Vilnius.
Eine wichtige Rolle in der Orgelgeschichte des Landes spielte die Wilnaer Schule des Orgelbaus des späten Barock, die mit der zwei-ten Hälfte des 18. Jhs. – der ersten Hälfte des 19. Jhs. datiert wird. Der Nachlass der Orgelbauer, die als Vertreter dieser Schule fungierten, nimmt eine wichtige Stelle in der Geschichte der litauischen, weißrussischen, lettischen und polnischen Kunst des Orgelbaus ein. Die Orgel dieser Schule, die etwa ein Jahrhundert lang funktionierte, zeichneten sich durch originelle Merkmale des Spätbarock aus sowie durch stilistische Konversion von einer Barockorgel (Barockinstrument mit einem Barockprospekt) bis zur Komposition aus einem Barockinstrument und einem klassizistischen Prospekt. Das stilistisches Ineinander des Barock und der Klassik wurde Ende des 18. Jahrhunderts deutlich, als in der Prospekt-Verzierung und  den Formen der Orgel sich die Rokoko- und klassizistischen Trends der angewandten Kunst manifestierten und der musikalische Teil dabei kaum stilistische Wandlungen erfuhr: in Instrumenten sind bis der Mitte des 19. Jhs. Dispositionen des Spätbarock erhalten geblieben.
Die stilistisch einzigartige Orgelbauschule des Landes wurde ziemlich lange Zeit als unzertrennbar vom Nachlass der Königsberger Orgelbauer betrachtet, als marginale Prägung des Orgelbaus dieser Region. Diese Lesart ist wahrscheinlich dadurch entstanden, dass die Wilnaer Schule des Orgelbaus von den in der Mitte des 18. Jhs. aus deutschen Ländern und Ostpreußen zugereisten Meistern gegründet wurde, die ihre Orgelbautraditionen ins Großfürstentum Litauen brachten. Darüber hinaus stößt man bei historischen Orgeln Litauens auf das Problem ihrer Urheberschaft, denn damals genoss das Orgelbau-Gewerbe, wie auch andere angewandte Künste, keine Exklusivität. Die Archiverkenntnisse zu Meistern der im 18.-19. Jahrhundert in Kirchen des Großfürstentums Litauen gebauten Orgel sind vereinzelt und karg, in Kirchenunterlagen wird meistens der Stifter oder Auftraggeber genannt, der Name des Orgelmeisters aber nicht mal erwähnt. Dennoch zeigt sorgfältiges Erforschen des Orgelnachlasses, dass in Litauen zu der Zeit eigenständige stilistische Orgelbautrends deutlich wurden, die zur einzigartigen Tradition des Orgelbaus avancierten – das Phänomen der hundertjährigen Schule, die eine Menge der Orgelmeister, ihrer Gesellen, Nachfolger und Nachahmer einte, und sich Zeichen der ausschließlich zweitürmigen Architektur der Orgelfassade, Verzierung und des Klanges in Orgeln etablierten.